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| Ausstellung "mea culpa?" |
Christian
Woman
A
cross upon her bedroom wall.
From grace she will fall.
An image
burning in her mind.
And between her thighs.
A dying
God-man full of pain.
When will you come again?
Before him beg
to serve or please.
On your back or knees.
There's no
forgiveness for her sins.
Prefers punishment?
Would you suffer
eternally.
Or internally?
For her lust.
She'll burn in
hell.
Her soul done medium well.
All through mass manual
stimulation.
Salvation.
Body of Christ.
She needs.
The
body of Christ.
She'd like to know God.
Ooh love God.
Feel
her God.
Inside of her - deep inside of her.
Jesus Christ
looks like me.
Type-O-Negative, Christian Woman
In
der Dusche war seit dem ersten Tag eine riesige Spinne, die sich
nicht bewegte. Er konnte sich also nicht duschen. Aber dafür
konnte er, so oft er wollte hingehen und die reglose Spinne
anschauen. Er hatte das Gefühl, sie zeige ihm, wie man sich am
besten verhalte.
Aber
irgendwie hatte Horn dann alles falsch gemacht. Er hatte nicht
Schritt gehalten mit seinem Abstieg. Jetzt war es zu spät. Zum
Glück. Er konnte sich anstrengen wie er wollte, er brachte
einfach keinen freundlichen Gedanken mehr zustande. Er spürte
nur noch, dass man sich vor ihm in acht nehmen musste. Er kam sich
gefährlich vor. Mies und gefährlich. Und er hatte nichts
dagegen. Auch dass er sich verachtete, war ihm recht. Endlich
Harmonie. Sowas hatte er noch nie gehabt. Eine beschissene Existenz
stinkt sich. Wunderbar. Er hörte es direkt klingen in seinem
Kopf. Und in den Ohren rauschte es harmonisch.
Er
hatte das Gefühl, sein Gesicht fließe abwärts. Es war
auf jeden Fall wieder schwer. Es hing. Er spürte, wie sein
hängendes fließendes Gesicht immer noch schwerer wurde. Er
hatte das Gefühl, sein Gesicht sei völlig verformt. Auf
mich wirke ich zerquetscht, sagte er. Er sehnte sich nach einem
strengen, engsitzenden, leicht auf den Knochen liegenden Gesicht.
Wünsche hat man. Er fuhr sich mit den Nägeln durch das
Gesicht, bis er einen Widerstand fand. Daran kratzte er solange
herum, bis er Blut spürte. Das wollte er im Spiegel sehen. Er
ging ins Bad. Das verschmierte Blut sah nicht gut aus in seinem
Gesicht. Und wo war die braune Stelle an der linken Schläfe, die
schäumende oder doch siedende oder wenigstens feuchte? Es machte
ihm keinen Spaß sein Gesicht genauer anzuschauen. Schon die
Farbe. Ein fürchterliches Gemisch aus blasser Farblosigkeit,
Blau und Rot. Und die Nase. Thiele schaute ihm jedes Mal, wenn sie
einander gegenübertraten, zuerst auf den Bauch, dann auf die
Nase. Horn hatte schon überlegt, ob er die Nase pudern sollte.
Er gab sich einen Ruck, sah seinem Spiegelbild voll ins Gesicht. Wenn
die Widerlichkeit dieses Anblicks noch durch etwas gesteigert werden
könnte, dann dadurch, dass dieses fettige, verquollene,
wehleidige Gesicht noch zu grinsen anfinge. Und wie auf Befehl,
produzierte sein Gesicht sofort das scheußlichste Grinsen. Mein
Gott, wenn das immer, wenn er gegrinst hatte, so ausgesehen hatte.
Kein Wunder, das Thiele unter diesem Grinsen gelitten hatte. Horn
hatte plötzlich nicht mehr das Gefühl, dass er der sei, der
aus dem Spiegel herausgrinste. Auf jeden Fall könnte der im
Spiegel ganz ruhig anschauen, beurteilen. Der machte ihm nichts mehr
vor. Und selbst wenn er sich eingestand, dass er der im Spiegel war,
so war er doch unbestreitbar auch der vor dem Spiegel, der nichts so
scharf empfand wie die Widerlichkeit seines Pendants im Spiegel. Da
Horn wusste, dass er eine richtige Trennung von sich, eine
vollkommene Verurteilung seiner selbst auch dann nicht schaffen
würde, wenn alle Beweise danach schrien, drängte er danach,
sich mit dem im Spiegel wieder zu versöhnen. Ist doch ein- und
derselbe Scheisskerl, sagte er laut, im und vor dem Spiegel. Das
Akustische und die Beobachtung, dass er mit dem im Spiegel synchron
sprach, fügten ihn wieder zusammen. Man wird sich doch noch
zuwider sein dürfen, sagte er. Alles was recht ist, sagte er.
Scheisse, wem Scheisse gebührt. Und obwohl er saht, dass jeder
Satz seinem Gesicht einen noch groteskeren, noch widerlicheren
Ausdruck zufügte, sprach er weiter. Er hatte das Gefühl, er
sei ausgerutscht und könne sich einfach nirgends mehr
festhalten. Er sprach jetzt sogar im großen Ton. Wie zu Leuten.
Da aber reicht sich, sagte er, der über und über
Beschissene endlich die Hand und führt sich langsam, aber
unaufhaltsam aus der Scheisse hinaus.
Hast du vielleicht Schiss,
fragte er sich.
Oh nein, antwortete er. Schiss überhaupt
nicht, im Gegenteil.
Was also hast du, forschte er.
Schneid,
antwortete er sich.
Martin
Walser, Jenseits der Liebe
Fleischschuld
Auch
wenn dieser Raum sicherlich schon unzählige Schreie beheimatet
hat, so sind es immer wieder die wimmernden Laute von Kindern, die
das Grauen, der bei der Bestrafung anwesenden Zeugen, geistig
überwuchern.
Kleine Finger umfassen vorsichtig das
dreieckige, rasierklingenscharfe Messer und treiben es in das eigene
Fleisch. Jedes Kind versucht zuerst sich schonend zu bestrafen, doch
das Gesetz fordert immer die korrekte Einhaltung des Tributes an
eigenem Fleisch.
Was zählt ist jene blutige Masse
bestraften Lebens, welches auf der Waage zu Protokoll genommen werden
kann. Schürfwunden wiegen nichts, nur rohes Fleisch, Haut,
Knochen und Fettgewebe gelten als Sühneopfer. Je schwerer die
Tat im Angesicht der Staatsgewalt, um so tiefer muss der Delinquent
die Dreieckklinge in den eigenen Körper treiben. Die
Selbstverstümmelung ist neben unterschiedlichen Formen der
Todesstrafe die einzige Form der Sühne.
Egal ob Mann,
Frau, Kind oder Greis, das Gesetz trifft jeden.
Bei Diebstahl
von Lebensmitteln, oder Konspiration ist die Fleischsühne oft so
groß, dass der Verurteilte an seinem eigenen Körper
Amputationen vornehmen muss.
Es ist schon ein bizarrer
Anblick, wenn Kinder ihre kleinen Ärmchen vom Körper
abtrennen um für ein gestohlenes Stück Brot oder eine
Konserve Obst zu sühnen.
Schon so manch Zwölfjähriger
musste mit seinen Unterschenkeln für eine unbedachte Äußerung
auf dem Hof einer Erziehungsanstalt bezahlen.
Gerechte Schreie
gab es nur selten, denn eine Schuld nachzuweisen fiel den Behörden
viel leichter, als es den Delinquenten möglich war, ihre
Unschuld zu beweisen.
Die Gesellschaft wollte Sühne, und
viele Menschen genossen es sogar, den Bestrafungen beizuwohnen. Bei
Kindern mussten die Menschen fast immer gezwungen werden, der Tilgung
der Fleischschuld beizuwohnen. Die Menschen betrachteten lieber die
blauen Bilder, die das Grauen mundgerecht und steril frei Haus
lieferten.
Und das alles in einer Gesellschaft von
Vegetariern, denn Tiere gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Es war
irgendwann unmöglich geworden, mit der vorhandenen pflanzlichen
Nahrung, Mensch und Tier das Überleben zu gewährleisten.
Das Tier starb vor dem Menschen aus, wer hätte das gedacht, doch
ein Großteil der Bevölkerung trat dafür an seine
Stelle.
Amputationen überlebten nur wenige Erwachsene und
kaum ein Kind, es sei denn die eigene Mutter oder ein sonstiger naher
Verwandter übernahm einen Teil der Fleischschuld, durch
Verstümmelung des eigenen Körpers. Eine Gnade, die aber nur
Kindern und Schwangeren gewährt wurde. Letztere konnten ihre
Schuld auch mit dem Fleisch ihres ungeborenen Lebens sühnen.
Mit
Schmerzen zu bezahlen? Ein Stück Fleisch eigenhändig aus
dem eigenen Körper schneiden. Mit seinem Leib zu sühnen,
für Taten oder auch nur ausgesprochene Gedanken.
Ethisch
degenerierten Kindern gehen irgendwann mit ihrem Kollektiv zugrunde.
Goethes Erben, Nichts bleibt wie es war
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