lukrezia [feat the evil twins]

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Ausstellung "mea culpa?"



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Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass unsere Gesellschaftsordnung sich auf diese Art des Liquidierens eingestellt hat? Sie haben bestimmt schon von jenen winzig kleinen Fischen in den Flüssen Brasiliens gehört, die zu Tausenden über den unvorsichtigen Schwimmer herfallen und ihn mir nichts dir nichts sauberbeißen, so dass nichts übrigbleibt als sein blankes Gerippe. Sehen Sie, genauso verhält es sich mit ihrer Organisation. „Du willst ein sauberes Leben? Wie jeder andere auch?“ Selbstverständlich sagt man ja. Wie denn auch nicht? „Schön, du sollst gesäubert werden. Da hast du deinen Beruf, deine Familie, deine organisierte Freizeit.“ Und die scharfen Zähnchen machen sich über das Fleisch her und beißen zu den Knochen durch. Aber ich bin ungerecht. Nicht ihre Organisation hätte ich sagen sollen. Letzten Endes ist es ja die unsere. Die Frage ist nur, wer wen säubert.

Albert Camus: Der Fall


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DAS SYSTEM

das den Computer programmiert, der den Bankier aufschreckt, der seinen Botschafter anruft, der mit dem General zu Abend speist, der den Präsidenten zu sich zitiert, der dem Minister Anweisungen gibt, der den Geschäftsführer abkanzelt, der den Abteilungsleiter anschnauzt, der seinen Angestellten zur Schnecke macht, der den Arbeiter verachtet, der seine Frau misshandelt, die
ihren Sohn schlägt, der den Hund tritt.

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Wer „Es lebe die Freiheit!“ auf eine Mauer schreibt oder ein Flugblatt auf die Straße wirft, wandert ins Gefängnis und verbringt dort, wenn er die Folter überlebt, einen Teil seines Lebens. Wenn er es nicht überlebt, so steht auf dem Totenschein, dass er fliehen wollte, dabei gestolpert und ins Leere gestürzt ist oder dass er sich erhängte oder dass er einem Asthmaanfall zum Opfer gefallen ist. Die Autopsie wird nicht gestattet. Jeden Monat wird ein neues Gefängnis eingeweiht; das nennen die Volkswirtschaftler Entwicklungsplan.

Eduardo Galeano, Tage und Nächte von Liebe und Krieg

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Der Mensch entwickelt eine Haltung, in der er nicht nur das zeigt, was von ihm gewünscht wird, sondern so mit dem Gezeigten verschmilzt, dass man – bis zur Analyse – kaum ahnen würde, wieviel Anderes hinter dem „maskierten Selbstverständnis“ noch in ihm ist. Das wahre Selbst kann sich nicht entwickeln und differenziere, weil es nicht gelebt werden kann.

Eine schwerwiegende Folge der Anpassung ist die Unmöglichkeit, bestimmte eigene Gefühle (wie zb Eifersucht, Neid, Zorn, Verlassenheit, Ohnmacht, Angst) in der Kindheit und dann im Erwachsenenalter bewusst zu erleben.

Aber ein Mensch mit einem ungestillten und unbewussten – weil abgewehrten – Bedürfnis ist einem Zwang unterworfen, das Bedürfnis doch noch auf Ersatzwegen befriedigen zu wollen.


Alice Miller, Das Drama des begabten Kindes


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